Trendforscher Matthias Horx: „Das Spiel
ist vorbei“
Das Leben der Menschen ist immer
weniger planbar. Das hat zwangsläufig auch Einfluss auf Geldanlage und
Altersvorsorge. Was bedeuten die Veränderungen für Verbraucher und Berater?
Cash. im Gespräch mit Trendforscher Matthias Horx.
Cash.: Sie sind Zukunftsforscher. Können Sie
in drei Sätzen sagen, was Sie genau machen?
Horx: Das ist schwer, weil Trend- und
Zukunftsforschung sehr viele Facetten hat. Wir beschäftigen uns mit
Konsummärkten, mit ökonomischen Systemen, aber auch mit strategischen
Fragestellungen. Verkürzt: Wir sind Systemforscher, die mit Methoden der
Spieltheorie und Systemtheorie herauszufinden versuchen, was man voraussagen
kann und was nicht. Dabei kommen die unterschiedlichsten Techniken zum Einsatz,
von der Verarbeitung massiver Daten bis zur Szenario-Planung, von der
Stochastik bis zur Statistik.
Cash.: Was sind die Zukunftstrends von
morgen?
Horx: Trends kann man nur im Heute, im Hier
und Jetzt, feststellen und diagnostizieren. Daraus kann man Schlüsse auf die
Zukunft ziehen.
Cash.: Was sind also die derzeitigen Trends?
Horx: Die wichtigen soziografischen
Megatrends sind zum Beispiel Individualisierung, Alterung und Feminisierung.
Mobilität, Gesundheit, Verstädterung sind weitere wichtige Megatrends.
Cash.: Welcher Trend hat entscheidenden
Einfluss auf Geldanlage und Altersvorsorge?
Horx: Alle. Es gibt hier keine Hierarchie,
keine Reihenfolge, denn alle diese Entwicklungen sind miteinander vernetzt. Es
geht in der Prognostik darum, Zusammenhänge zu verstehen. Wir können zum
Beispiel fragen: Wie verändert das iPad die Mediengewohnheiten, und was
bedeutet das für die Entwicklung von Buchverlagen und Fernsehmarkt? Oder wie
verändert die neue Rolle der Frau die ökonomischen und politischen Systeme?
Cash.: Wie kann ein solcher Trend Einfluss
auf unsere Vorsorgeentscheidungen nehmen?
Horx: Nehmen Sie zum Beispiel die
Gesundheits-Frage. Wir haben heute keine Gesundheitsversicherung, sondern nur
ein teures Krankheits-Behandlungs-System, das zunehmend finanziell aus dem
Ruder läuft und nicht sehr effektiv ist. Wir müssen in Zukunft eine massive
Vorsorge-Komponente einbauen, und das wird die Versicherungssysteme verändern.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Eine totale Spaltung, eine extreme
Zwei-Klassen-Medizin. Oder neue, präventive Systeme, in die die Vorbeugung
bereits eingebaut ist.
Quelle: cash-online.de
Interview: Katja Schuld